Am Breitscheidplatz wird das Bikini Berlin denkmalgerecht aufgebautWenn Robert Allistons Truppe zu einem der Bauplätze auf dem Gelände zwischen Hardenbergplatz und Budapester Straße kommt, ist Nizamettin Colak mit seinen Männer dort meistens schon weg. Manchmal arbeiten sie aber auch nebeneinander, mitunter treffen sie sich sogar wie gerade jetzt vor dem Kino Zoo Palast.
Colak ist Polier bei Züblin, einer Spezialfirma für komplizierte Tiefbauarbeiten. Alliston hat die gleiche Funktion bei August Prien, einem Hochbauunternehmen. Beide Firmen sind derzeit mit zwei weiteren auf der Großbaustelle von Bikini Berlin beschäftigt, wie der Komplex in Charlottenburg mit dem Hochhaus am Zoo, dem Kino Zoo Palast sowie dem eigentlichen Bikini-Haus heißt, der früher als Zoobogen bekannt war. Abgebaut wurde schon die Blaue Kugel, in der Fernsehsendungen aufgezeichnet wurden. Ein altes Parkhaus wurde abgerissen. Und bis auf das Hochhaus am Zoo sind die anderen Gebäude entkernt – nur die Hüllen stehen noch. Der denkmalgerechte Wiederaufbau hat begonnen, die Häuser erhalten zeitgemäße Technik und Ausstattung.
In guter GesellschaftDie zur Schörghuber Unternehmensgruppe gehörende Bayerische Hausbau saniert – nach eigenen Angaben „für einen dreistelligen Millionenbetrag“ – seit Ende 2010 die in die Jahre gekommenen Gebäude. Moderne Flächen für Einzelhandel, Gastronomie und Kultur sollen bis Herbst nächsten Jahres entstehen – als Motto wurde der Slogan „Lebe anders“ erdacht. Denn vor allem jungen Designern und innovativen Konzepten will Bikini Berlin eine Heimat bieten – schließlich ist die westliche Innenstadt, der lange wegen ausbleibender Investitionen der Ruf des Altbackenen anhaftete, jetzt unübersehbar im Aufbruch. Das Nobelhotel Waldorf Astoria eröffnet im Juli im 118 Meter hohen „Zoofenster“, gleich gegenüber dem Bikini-Komplex, die Gedächtniskirche wird saniert und in Kürze soll nur wenige hundert Meter entfernt Berlins erster Apple Store in der ehemaligen Filmbühne Wien Kunden empfangen. Anstelle des Schimmelpfeng-Hauses an der Kantstraße soll ein 119-Meter-Hochhaus entstehen, auch die muffige Mini-City am Tauentzien wird zu einem neuen Geschäftskomplex umgebaut.
„Bikini Berlin ist also in guter Gesellschaft“, sagt Stefan Günster, Niederlassungsleiter Nord der Bayerischen Hausbau, der für das Berliner Millionen-Projekt verantwortlich ist. Das ist derzeit mit einem 440 Meter langen Bauzaun verhüllt, auf dem immer mal wieder Eigenwerbung platziert wird, Bilder von Entwürfen und von künftigen Mietern wie dem Kinomoguln Hans-Joachim Flebbe, der den neuen, alten Zoo Palast betreiben wird.
Drei neue KinosäleHinter dem Zaun wird emsig gearbeitet, rund 120 Arbeiter sind derzeit auf der Baustelle beschäftigt. „Ab Juli, August wird dann Hochbetrieb mit etwa 500 Leuten gleichzeitig sein“, sagt Günster. Denn dann kommen nach Tief- und Hochbau weitere Gewerke: die Haustechniker, Fachleute für die Fassaden, die Ausbauer. Um die Materialtransporte zu koordinieren, wurde ein Logistikunternehmen eingeschaltet. Denn auf dem Areal mit den dicht stehenden Gebäuden ist wenig Platz für Baufahrzeuge – „da muss alles wie am Schnürchen klappen“, sagt Günster. Zumal die Fahrzeuge den Autoverkehr auf der Budapester Straße nicht behindern dürfen. Am heutigen Montag treten die Logistiker ihren Dienst an.
Dem Team von Nizamettin Colak, das seit mehr als einem Jahr vor Ort ist, steht dagegen in Kürze der Abschied bevor. „Vielleicht noch drei Wochen, dann sind wir durch“, sagt der Polier. Mit seinen Männern hat er dafür gesorgt, dass das Grundwasser den Gebäuden nichts anhaben kann, es wurden tiefe Bohrpfähle zur Stabilisierung der Bauwerke gesetzt, die aneinandergereiht eine Länge von fünf Kilometern ergeben würden. Für geplante Neubauten wurden spezielle, wasserundurchlässige Wannen gebaut. In der letzten Baugrube, direkt neben dem Kino-Denkmal Zoo Palast, ist bereits ein Kran der Rohbau-Mannschaft von Robert Alliston aufgebaut. Diese wird drei neue Kinosäle errichten – insgesamt sieben wird der Komplex dann haben: „Wenn man wie ich gern im Zoo Palast war, ist es schon etwas ganz Besonderes, selber bald dort zu bauen“, sagt Alliston.
Nizamettin Colak dagegen zieht weiter – zum Neubau der S 21, der S-Bahnstrecke zwischen Westhafen und Hauptbahnhof.
Berliner Zeitung, [07.05.2012]